Moderne Kolosseen 

Stadien – nun, es gibt wohl nichts Paradoxeres. Ihre Wurzeln haben sie in der glorreichen Tradition des Altertums und sind doch in der Gegenwart sehr präsent. Deutlich sichtbare Wahrzeichen, aber unsichtbar schlummernde Massen, wenn sie leer sind. Grosse Elemente formen ihr Ganzes – Etagen, Rampen, Dächer und Hallen – und bringen Sie in Konflikt mit dem Konzept einer Mehrzweck-Nutzung, das der Zeit widerstehen muss.

Ob Stadion, Arena oder ein Konzertgebäude: das Ziel eines jeden Architekten oder Gebäude-Managers ist es, den Nutzern eine unvergessliche Zeit zu ermöglichen. Sport-Fans schwärmen poetisch über Tradition und Nostalgie, Konzertbesucher achten genau auf die Akustik. Unabhängig von Event oder Besucher – eines haben diese Infrastrukturen gemeinsam: jeder Besucher will zur gleichen Zeit nach Hause. Dies stellt enorm hohe Ansprüche an Logistik, Sicherheit und den Personenfluss.
„Dies ist tatsächlich der blinde Fleck im Design grosser Gebäude“ sagt Steve Edgett, Vorstand der Edgett Williams Consulting Group. Seit 40 Jahren beschäftigt er sich mit dem Aufzugs-Design in Gebäuden. „Ob Treppen oder Aufzüge: Dies ist unerheblich. Es geht um die Ansammlung von Menschen.“
In Stadien und Arenen lassen sich Menschen mit dem Eintreffen Zeit, aber beim letzten Ton oder Schlussapplaus:
„Alle Leute versuchen die oberen Geschosse zu verlassen und kommen die Rampen herab. Treppen, Rolltreppen und Aufzüge gelangen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Transportsysteme müssen berücksichtigen, dass eine zusätzliche Menge transportiert werden muss“ sagt Edgett.
John Burt, NYC Metro Bereichs-Vertriebsleiter bei KONE stimmt zu:
„Ein Stadion benötigt Transportsysteme, die Menschen auf die verschiedenen Ebenen bringen. Dabei ist zu beachten, dass sich der Zugangsverkehr über einen Zeitraum von zwei Stunden vor Spielbeginn oder Beginn der Show erstrecken kann. Die Menschen möchten auf dem Weg zu den Sitzen etwas zu Essen oder zu Trinken bekommen können. Beim Verlassen des Stadions liegt ein gänzlich anderes Verkehrsmuster vor. Hier haben wir einen Spitzenbedarf. Das System für den Vertikal-Transport muss in der Lage sein, für das Leeren des Stadions in einer vernünftig kurzen Zeit zu sorgen.“

Aktuell in Raum und Zeit gestaltete Stadien sind grosse Strukturen, die einmal gebaut für hunderte von Jahren stehen bleiben können. Nach Edgett denken Menschen nicht sehr oft weit voraus. Sie interessieren sich mehr für „urbane Skulpturen“ statt für die menschliche Erfahrung über die Zeiträume. Es gibt aber auch andere Beispiele:
„Architekten und Entwickler machen sich mehr und mehr Gedanken darüber, wie Menschen ein Gebäude nutzen und erfahren. Es sind mehr qualitative Aspekte“.
Um eine Lösung zu nennen, führt Edgett das Potenzial des fortschrittlichen, zielorientierten Steuerungssystems in Aufzügen an, das dem Bedarf moderner Gebäude entspricht. Dies gilt besonders für moderne Event-Gebäude. Sowohl Burt und Edgett setzen ihre Hoffnung auf die Zukunft. Eine alternde Demographie sorgt für ein neues gesellschaftliches Phänomen, dass nach Edgett einen menschenorientierteren Konstruktionsprozess bei Gebäuden fördern wird.
Innovationen im Konstruktions-Stadium und Planungswerkzeuge, die eine langfristige Wertschaffung für mehr Stakeholder unterstützt, scheinen unausweichlich. Mit gesteigerter Mobilität, unsteter Population und Beachtung der Sicherheit wird die Nachhaltigkeit eines jeden Investments in Komfort und Vergnügen von Personen garantiert.

Aufzüge führen uns zum Ereignis
Die Herausforderung, Menschenmassen in einem Stadion oder einer Arena zu befördern, geht einher mit der Tatsache, dass Rolltreppen zukünftig nicht die optimale Wahl sind.
„Traditionell werden Rolltreppen als beste Lösung gesehen, Menschenmassen zu befördern“ erläutert Burt. „Eine Rolltreppe mit 1000 mm breiten Stufen und einer Fahrgeschwindigkeit von 0,5 m/s befördert in fünf Minuten 275 bis 300 Personen“.
„Rolltreppen verbrauchen eine Menge Platz. Der benötigte Neigungswinkel von 30° macht bei einer Rolltreppe mit 6 m Förderhöhe eine Fläche von 1,5 m mal 15,25 m erforderlich. Dies ist eine Menge wertvoller Gebäudeplatz, insbesondere wenn viele auf- und abfahrende Rolltreppen die unterschiedlichen Ebenen eines Stadions anfahren.“
Trotz dieser offensichtlichen Logik fällt es Experten wie Burt und Edgett schwer, Architekten und Planer zu überzeugen, die instinktiv Rolltreppen bevorzugen.
„Rolltreppen sind für den Personentransport in Kaufhäusern super geeignet, bei denen sie in die Umgebung integriert sind“ bestätigt Edgett. „Aber ob wir es mögen oder nicht: Rolltreppen stellen ein grösseres Risiko als Aufzüge dar. Dies muss in Situationen mit grossen Menschenmengen betrachtet werden. Ein oder mehrere Aufzüge müssen für behinderte oder ältere Personen vorgesehen sein. Oft macht es mehr Sinn, diese mit einem ausreichend dimensionierten Aufzugssystem zu ergänzen. Dann kann auf Rolltreppen vollständig verzichtet werden.“
Die Zuordnung von Aufzügen für eine gemeinsame oder eine spezifische Nutzung ist nicht nur für den Zugang durch behinderte Personen und die Auflösung von Menschenansammlungen erforderlich. Sie kann auch Regel- und Spitzenleistung im unbeständigen Umfeld des Sports abdecken. So hat z. B. das Forbes Magazin berechnet, dass trotz der Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar das Yankee Stadium in New York bezüglich des Umsatzes je Sitz zu den Top Ten in den USA gehört – wegen der Erträge aus den Logen-Bereichen und den hohen Ticket-Preisen. Zusätzlich enthalten die von KONE hergestellten Aufzüge des Stadions grosse Flachbildschirme, an denen gezielt Nachrichten dargestellt werden.
Edgett führt ausserdem aus, dass Aufzüge einen Premium-Service für wertvolle Fans aus den VIP-Bereichen bieten, da sie diskrete Zugänge ermöglichen und eine tolles Ambiente im Fahrkorb anbieten. Dies wird besonders gut im Yankee Stadium für Kunden eingesetzt, die sich zum High-End Steakhaus des Gebäudes und zu den Logen begeben.
Des Weiteren erinnert uns Burt, dass die Lastenaufzüge das Rückgrat der Bürobereiche des Stadions bilden. Sie halten die Verwaltung, die Technik, die Medien und die Gewerbe-Funktionen in Betrieb. Die grossen Fahrgast-Aufzüge des Yankee Stadiums sind über einen unterirdischen Service-Tunnel miteinander verbunden, damit die Gewerbebetriebe mit Ware versorgt werden können. Ausserdem wird der benötigte Lagerraum für die wertvolleren oberen Etagen reduziert.

Fuzzy-Daten
Die Planung des Personenflusses und des vertikalen Transports in Stadien ist daher ein multidisziplinäres Unterfangen. Raumnutzung und Zirkulationsbedarf müssen sich im Design, der Beschilderung und der Beleuchtung wiederfinden. Genaue Daten des Fussgänger-Verkehrs unterstützen die Planung.
Wie Edgett hat sich auch Burt seit Jahrzehnten mit der Aufzugsbranche beschäftigt. „Bevor wir Computer-Programme zur Prüfung nutzen konnten, wie viele Aufzüge den vertikalen Verkehrsfluss in einem geplanten Gebäude bewältigen können, mussten wir diese Zahlen lange im Voraus zusammentragen“.
In Fällen wie beim Yankee Stadium, sowohl ein alter Ort als auch eine eindeutig urbane Zone, standen den Planern exzellente Daten über Zugangs- und Abgangs-Verkehr zur Verfügung. Um Konstrukteure zukünftig zu unterstützen, stehen Daten über die psychologischen Effekte von Warteschlangen und Wartezeiten zur Verfügung.
Es gibt auch soziologische Betrachtungen zu Massenverhaltens-Mustern (wie z. B. Herdentrieb), die bei Menschenansammlungen und Evakuierungen auftreten. Experten für diesen Bereich erwähnen das „non-adaptive Menschen-Auflauf-Verhalten“, welches destruktives Verhalten in Notsituationen nach sich ziehen kann. Diese sind sehr schwer vorherzusehen und nahezu unmöglich in der Praxis zu studieren. Selbst die Forschung über das Massenverhalten im Normalfall ist ungenügend und steht den Planern und Architekten nicht notwendigerweise zur Verfügung.

Modellierung des Personenflusses
Die Software zur Modellierung des Massen-Verhaltens und der Verkehrsmuster wird aber immer anspruchsvoller.
„Es gibt nun mehrere Firmen, die Simulationen durchführen, bei denen man visuell den Personenfluss auf Basis der Daten verfolgen kann, die für die Bevölkerung einer Anlage erstellt wurden“ sagt Edgett. „Sie können erkennen, wo sich Brennpunkte entwickeln, wo Querverkehr zu Bedingungen führt, in denen Personen ineinander laufen. Diese Simulationen werden immer gebräuchlicher, sind aber noch nicht sehr gut verstanden.“
„Im Westen sind wir zu sehr auf die direkten finanziellen Auswirkungen und weniger auf die langfristigen Auswirkungen ausgerichtet. Die Chinesen verstehen dies scheinbar besser: die Unterstützung des Personenflusses verbessert die Funktion der Gesellschaft.“

KONE in berühmen Sport-Arenen

  • Yankee Stadium,
    New York City, USA
  • Ravens Stadium, Baltimore, USA
  • Gillette Stadium, Boston, USA
  • EverBank Field Stadium,
    Jacksonville, USA
  • Lucas Oil Stadium,
    Indianapolis, USA
  • United Center, Chicago, USA
  • Bird’s Nest Stadium,
    Beijing, China 
  •  Yas Marina F1 Circuit,
     Abu Dhabi, UAE
  • Meydan Racecourse, Dubai, UAE
  • National Stadium,
    Warsaw, Polen
  • Nelson Mandela Bay Stadium,
    Port Elizabeth, Südafrika
  • Mbombela Stadium,
     Nelspruit, Südafrika
  • Soccer City Stadium,
    Johannesburg, Südafrika
  • Ellis Park Stadium,
    Johannesburg, Südafrika

Natürlich dem Erfolg verpflichtet

Ein Interview mit Hanna Uusitalo, der Leiterin des KONE-Umweltschutzes.Mehr erfahren »

Große Trends bei Infrastrukturen

Infrastruktur ist die Basis der modernen Gesellschaft. Weltweit sind immer komplexere Projekte in der Planung.Mehr erfahren »